Die Geschichte unseres Abenteuerkalenders

Ich beginne nun eine kleine Zeitreise mit einem dramatischen Einstieg. 

Damals, im Herbst 2015, waren wir noch ganz schön klein - unsere Community und der Wunsch nach neuen Produkten war dagegen sehr groß.

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Wir hatten viele Ideen und große Träume und waren der Ansicht, dass der Sprung von einer Schreibtischunterlage und Schreibblöcken zu einem Buchkalender doch gar nicht so groß sein kann. Wir hatten ja KEINE Ahnung, wie WENIG wir wussten.

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Mit einem Klick war die monatelang liebevoll gestaltete Druckdatei abgeschickt und für uns waren die größten Sorgen vorbei. Wir hatten die Datei tausendmal gecheckt, die Reihenfolgen und Inhalte angepasst und optimiert. Der Inhalt war von uns allen gemeinsam erstellt und hatte geballte Liebe intus. Da konnte doch nicht viel schiefgehen.

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Kurze Nachricht vom Lieferanten: Datei ist angekommen, da guckt jetzt nochmal ein Spezialist drüber und ermittelt dann die richtige Papierstärke. Ja wunderbar, klingt doch toll.

(Ich würde jetzt gern die Reaktion der Leute sehen, die ein bisschen Ahnung von Printprodukten haben…)

An dieser Stelle nehme ich eine Info vorweg und schreie das heraus, was wir schmerzlich lernen mussten: PAPIER IST NICHT PAPIER! Es gibt HUNDERTAUSENDEMILLIONENDREIUNDDREISSIGUNDVIER verschiedene Papiersorten, Hersteller, Grammaturen, Opazitäten, Saugstärken, Weißtöne und was weiß ich nicht alles. Es gibt Papier, das wurde aus Obst hergestellt oder aus alten Socken. Vielleicht nicht ganz, ich neige zur Übertreibung. Aber es gibt nicht die richtige Papierstärke und verdammt nochmal keinen Papierspezialisten! Jedenfalls nicht da, wo unsere Datei gelandet ist. Alter Schwede.

Die Sache mit dem Vertrauen

Aber der Reihe nach, das war nicht der erste Punkt auf unserem Horror-Kalender-Spießrutenlauf. Denn zuallererst hatten wir noch von einer Sache ziemlich viel: Gesundes Menschenvertrauen. Manche nennen es auch Naivität, aber Menschenvertrauen klingt schöner.

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Ganz optimistisch und voller Vorfreude haben wir einen Vorverkauf gestartet, denn unsere Community - also ihr - habt schon freudig mit den Hufen gescharrt und konntet es kaum abwarten, endlich diesen Kalender in den Händen zu halten.

Es hat nur ein paar Stunden gedauert, da waren alle Kalender ausverkauft. Komplett. Wir waren fassungslos und völlig aus dem Häuschen, sind abends alle im Büro geblieben und haben in der Küche laut gesungen und getanzt. Da war die Welt noch in Ordnung, der Liefertermin für die Kalender war ja in ein paar Tagen und dann konnten wir sie verschicken.

Man, was waren wir aufgeregt.

Von der Aufregung zur Hilflosigkeit...

Der Zeitraum der frühstmöglichen Lieferung war eingetroffen und jeden Morgen waren wir bereit: Jogginghosen, gute Laune Playlist, Energydrinks. Wir waren vorbereitet auf einen langen Packmarathon. Aber die Lieferung kam nicht. Auch in den nächsten Tagen nicht.

Dann kam ein Anruf, dass die Lieferung sich verzögern würde. Wie lange, das kann ich heute gar nicht mehr sagen. Die Zeit wird gefühlt länger, wenn man so sehr auf etwas hinfiebert - und unsere Käufer wurden ungeduldig, sie hatten ja schon bezahlt!

Mit schlechtem Gewissen schrieben wir eine liebe Rundmail und hofften auf Verständnis. Jede Stornierung war ein Stich ins Herz.

Der neue Lieferzeitraum war angebrochen und wieder standen wir jeden Morgen bereit und motiviert auf der Matte. Vergeblich.

Ein neuer Anruf, ein neuer Aufschub. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit kroch uns allen eiskalt durch die Glieder. Wir konnten doch nicht nochmal einfach eine Rundmail schicken. Wir fühlten uns hundeelend.

Meine einzige Idee, unsere liebe und immer noch verständnisvolle Community zu benachrichtigen, war ein handgeschriebener Brief mit einem kleinen Geschenk zur Wiedergutmachung. Meine Idee, 1300 Leuten 1300 handgeschriebene Briefe mit 1300 Briefbögen, 1300 Briefumschlägen, 1300 Postkarten, 1300 Paperclips und 1300 Briefmarken zu schicken, kam bei den eher zahlenorientierten Kollegen erst einmal nicht sooo gut an, aber wir konnten sie dann doch überzeugen, weil es uns einfach wichtig war.

Es wurde nicht lang gefackelt, die einen haben den gesamten Briefpapierbestand aus dem Lager geholt, die anderen sind durch ihre komplette Whatsapp Liste gegangen “Sag mal, was machst du heute Abend? Hast du eine schöne Handschrift und Lust, uns zu unterstützen?” Dann wurden Listen mit Adressen verteilt und es ging los. In der ersten Stunde hatten wir erst 40 Briefe zusammen und fast hätten wir die Hoffnung aufgegeben. Aber dann kamen die ersten Freundinnen, Schwestern und Mitbewohnerinnen zur Unterstützung und es war ein wahnsinniges Gefühl, so liebevoll unterstützt zu werden. Jede kleine Ecke wurde genutzt, um daran zu schreiben und alle waren hochmotiviert mit roten Wangen und schönster Sonntagsschrift. Es war fast schon Mitternacht, als der letzte rosa Brief zugeklebt wurde. Was für ein Erfolgserlebnis, was wir zusammen geschafft hatten - wir waren uns teilweise komplett fremd und doch irgendwie zusammengeschweißt durch diese Aktion, die uns am Anfang noch unmöglich erschien.

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Die nächsten zwei Tage waren fast unerträglich abzuwarten, bis die ersten Briefe gepostet wurden. Als dann das erste Feedback kam, waren die Nerven zum Zerreißen gespannt und es gab wirklich hier und da Tränen der Erleichterung. Ich weiß nicht, ob ihr uns beim Lesen dieser Zeilen nachvollziehen könnt, aber für uns hing eine ganze Welt an diesen Kalendern. Dieser Kalender würde ein Wendepunkt für uns werden, entweder führte unser Weg mit diesem Kalender weiter in spannende Abenteuer oder alles endete so schnell, wie es begonnen hatte.

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... bis hin zum großen Schock

Als dann tatsächlich der Tag kam, an dem ein LKW in den Hof fuhr, wäre ich fast ohnmächtig geworden. Als dann der erste Karton vor uns lag, wollte keiner der sein, der ihn öffnet. Als wir dann mit 5 Mädels um diesen Karton herumstanden und alle einen Kalender in der Hand hatten, war es still. Das waren quälende Sekunden. Niemand hat etwas gesagt, aber alle dachten das gleiche: Scheiße. Das wars.

Das Platzen der Seifenblase konnte man förmlich hören.

Die Kalender konnten wir uns nicht schön reden. Es war eine Katastrophe. Die Dinger fassten sich so fies an und waren aus so billigem Material gemacht, dass ich nicht mal 1 Euro dafür bezahlt hätte. Die Seiten waren so durchscheinend, dass man noch die übernächste Seite erkennen konnte. Die Tinte trocknete nicht auf dem Papier und drückte auch noch durch. Es war wirklich schlimm.

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Und alle haben mich angesehen. Was sollten wir jetzt tun? Wie würde ich mich entscheiden? ICH musste mich entscheiden! Ich musste eine Entscheidung treffen, ob ich meinen lieben und treuen Followern einfach diesen Kalender rausschicke, als wäre alles in Ordnung. Unseren Kunden, die uns das Vertrauen geschenkt haben, uns vorab Geld zu überweisen für einen Kalender, den sie noch nie in der Hand hatten. Ich hätte mich nie wieder im Spiegel ansehen können.

Wir haben uns an diesem Tag geschworen, dass wir nie etwas verkaufen wollten, das wir selbst nicht mit reinem Gewissen und voller Überzeugung vertreten konnten. Also wurde heute nicht gepackt. Die Enttäuschung und der Schock saß so tief, dass niemand darüber reden wollte. Es war ein sehr stiller Tag.

Der darauf folgende Instagram Post fühlte sich auf der einen Seite an, als würde ich mich komplett entblößen, auf der anderen Seite fühlte ich mich gut. Ehrlichkeit war die richtige Entscheidung gewesen. Wir hatten Fehler gemacht und wir mussten dazu stehen.

Die nächsten Tage habe ich wie betäubt erlebt. Viele Telefonate, viel Diskussion, viel Recherche. Weinen konnte niemand mehr, das war alles so unwirklich. Unser schöner Kalender, von dem wir seit Monaten träumten, würde wahrscheinlich nicht mehr vor Weihnachten verschickt werden können, weil wir fast von vorne anfangen mussten. Was würden die Leute sagen? Sie wären enttäuscht von uns, so wie wir von uns enttäuscht waren.

Und jetzt nochmal richtig!

Als dann ein Druckermeister in unser Büro kam, um sich unserer Geschichte anzunehmen und uns Mut zu machen, war er für uns der strahlende Prinz auf weißem Ross und wir hatten wieder Energie, weiterzumachen.

Dann ging alles ganz schnell. Ein Handmuster zum Anfassen und Material testen. Eine Druckereibesichtigung und eine finale Druckabnahme vor Ort. Dinge, die wir alle zum ersten Mal taten und die wir vorher einfach naiv anderen überlassen hatten. Wir wollten nie wieder Verantwortung abgeben für Dinge, die uns so sehr am Herzen lagen.

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Als die Lieferung dann eintraf und jeder einen wunderschönen, hochwertigen und dicken Buchkalender in der Hand hielt, hatten wir zum ersten Mal wieder ein gutes Gefühl.

Das ist ein Kalender, für den sich all der Stress und die Tränen gelohnt haben. Das ist unser Abenteuerkalender.

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Vorher/Nachher - gleiche Seitenanzahl!

Unsere Packelfenwerkstatt 2015

Die darauffolgenden Tage waren wir fleißiger als die Elfen in der Weihnachtswerkstatt und daher heißt noch heute jeder, der bei uns Pakete verpackt liebevoll “Packelfe”. Wir brauchten dringend Unterstützung mit all den Paketen und manche von uns arbeiteten Tag und Nacht - bei Weihnachtsmusik und Hörbüchern. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, aber es war ein tolles und berauschendes Gefühl. Jeder half, wo er konnte - und wenn es nur Sticker aufkleben oder Kartons falten war.

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Diese Zeit werden wir nie vergessen.

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DANKE

Die ersten 1300 Käufer unseres ersten Abenteuerkalenders werden für uns immer etwas Besonderes bleiben. Wer einen solchen handgeschriebenen Brief noch Zuhause hat, der besitzt ein ganz wichtiges Stück Odernichtoderdoch-Geschichte, das nur ihm gehört und das er mitgeschrieben hat. Ohne euch hätten wir aufgegeben und dafür möchten wir DANKE sagen.

Danke, dass wir 2017 einen Nachfolger erstellen durften, in den wieder all unsere Liebe geflossen ist. Und Danke, dass wir auch 2018 wieder all unsere Kreativität in unser Herzstück stecken durften. Ihr seid es, die diese Geschichte lebendig halten und weiterschreiben.

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Bei der Umfrage nach der Farbe des Covers haben unglaubliche 20.000 Leute mitgemacht. ZWANZIGTAUSEND. 

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So viele Briefe werden wir niemals per Hand schreiben können - und wir hoffen doch stark, dass das auch nie wieder nötig sein wird.

Wir haben viel gelernt und es war die wichtigste Lektion unserer noch sehr kurzen Firmengeschichte: 

Nie wieder einfach so vertrauen und lieber etwas mit mehr Aufwand selbst machen, als es abzugeben. Niemals aufgeben, wenn man Träume hat. Zusammenhalten. Durchhalten. Ehrlichkeit und Transparenz. Sich selbst treu bleiben und immer ehrlich kommunizieren.

Eure Joana und das ganze Odernichtoderdoch-Team

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